Gleich zwei Projekte aus Vilich-Müldorf wurden ausgezeichnet: Der Umweltkasper und die Balkonscouts Bonn teilen sich den 3. Platz beim Bonner Klimapreis 2026. Nach dem ersten Platz im Jahr 2022 sind wir damit der erste 3-fach Preisträger in Bonn.

Bildquelle: Bundesstadt Bonn / Sascha Engst

Der dritte Platz wurde unter zwei Gruppen aufgeteilt, die beide aus dem Umfeld des Bürgervereins Vilich-Müldorf stammen: Umweltkasper und Balkonscouts. Damit ging die Jury auch darauf ein, dass Vilich-Müldorf und vor allem der Bürgerverein sich zu einem nachahmenswerten „hot spot“ für konkreten Klimaschutz vor der eigenen Haustür entwickelt hat. Der Bürgerverein ist unter anderem auch im Klimaviertel Bonn-Beuel aktiv.

Umweltkasper

Matthias Hieronymi und Rüdiger Heidebrecht sind Mitglieder der Umweltgruppe des Bürgervereins Vilich-Müldorf. Sie haben den Umweltkasper als Umweltbildungsprojekt für Kinder aus der Taufe gehoben. Sie schreiben die Stücke selbst, bauen das Bühnenbild und spielen ehrenamtlich in Bonner Kitas und bei Veranstaltungen im Quartier. Fünf Stücke wurden bisher realisiert, die sich auf spielerische Weise mit PV-Anlagen, Wärmepumpen, E-Autos, Biodiversität sowie Starkregen und Hochwasser beschäftigen. Die Mischung aus traditionellem Kasperletheater und aktuellen Klimathemen funktioniert: Rund 800 Kinder erlebten den Umweltkasper bei bisher 15 Auftritten. Weitere Auftritte sind bereits in Planung.

Balkonscouts

Die Motivation hinter dem Projekt ist es, die Hürden bei der Anschaffung und Installation eines Balkonkraftwerks durch ein Netzwerk ehrenamtlicher und nicht-gewerblicher Berater*innen – die Balkonscouts – zu überwinden. Dadurch leistet die Gruppe einen Beitrag zum Solarausbau in Bonn und ermöglicht individuelle Teilhabe an der Energiewende. 2025 wurden zunächst 17 Bonner*innen in zwei ganztägigen Workshops zu Balkonscouts geschult. Im Anschluss gab es eine praktische Einarbeitung. Alle neuen Teammitglieder wurden durch zwei erfahrene Balkonscouts bei ihren ersten Beratungseinsätzen begleitet und angeleitet. Seit Juni 2025 sind alle Balkonscouts selbstständig unterwegs. Bis heute wurden über 200 persönliche Beratungen durchgeführt und dadurch bereits mehr als 80 Balkonkraftwerke in Bonn installiert. Die Schulung weiterer Balkonscouts im Rhein-Sieg Kreis und in Köln ist bereits in Planung, um das erfolgreiche Projekt auch über die Grenzen von Bonn hinaus zu tragen.

Hören Sie hier die Laudation der Jury zu den Balkonscouts.

BSV Roleber und IG Lausacker ausgezeichnet

Platz 1: BSV Roleber 1919

Mit dem ersten Platz und 5.000 Euro Preisgeld wurde der BSV Roleber 1919 ausgezeichnet. Der BSV Roleber ist ein Breitensportverein, aber er verfolgt nicht nur sportliche Ziele. Der Verein strebt nach Nachhaltigkeit, um das Vereinsleben wertvoller und langfristig lebenswerter zu gestalten. Damit es nicht bei Einzelprojekten bleibt, hat der BSV Roleber bereits ein Nachhaltigkeitskonzept entwickelt, verabschiedet und mit der Umsetzung begonnen. Dafür war der Verein 2024 bereits mit dem dritten Platz des Bonner Klima-Preises ausgezeichnet worden.

Seitdem hat der Verein nachhaltiges Handeln in der Vereinssatzung verankert und weiter an der Umsetzung gearbeitet. Seit 2025 trägt der Verein das Nachhaltigkeitssiegel „Sport.Verein(t)“ des Stadtsportbundes und der Stadt Bonn. Der Fokus in der Umsetzung von Maßnahmen liegt auf Mobilität, Energie und Netzwerken/Kommunikation. Zu den umgesetzten Projekten gehören Balkonkraftwerke, E-Bike-Ladestation, Smarte Thermostate, LED-Beleuchtung, Bildungsarbeit mit Kindern, die Anlage von Blumenwiesen, Insektenhotels, papierloses Büro und eine kontinuierliche Darstellung der Aktivitäten auf der Website. All geschieht ehrenamtlich, ergänzend zu den zahlreichen sportlichen Aktivitäten des Vereins.

Platz 2: Interessengemeinschaft Lausacker

Der zweite Platz und damit 3.000 Euro Preisgeld gingen an die Interessengemeinschaft Lausacker Bonn (IG). Die IG ist ein bürgerschaftlich getragenes, ehrenamtliches Netzwerk. Im Landschaftsschutzgebiet Lausacker verfolgt sie einen ganzheitlichen Ansatz, der Klimaschutz, Klimaanpassung, Biodiversität und soziale Teilhabe miteinander verbindet, was von der Jury als besonders wertvoll beurteilt wurde. So beschäftigt sich die IG als Beitrag zur Kohlenstoffbindung und -speicherung mit naturbasierten Lösungen: Unter anderem werden brachliegende Flächen entwickelt, humusreiche Böden aufgebaut, Bäume und Hecken gepflanzt und Streuobstwiesen angelegt. Gleichzeitig spielen auch Klimaanpassung und Biodiversität eine Rolle. Führungen für Schulklassen und Öffentlichkeitsarbeit komplettieren das umfassende Engagement. Dabei sind die Aktivitäten bewusst als langfristig wirksame, nachhaltige Maßnahmen angelegt.

Der Kern der Projektgruppe besteht aus rund 15 regelmäßig aktiven Ehrenamtlichen, die Planung, Umsetzung, Pflege und Öffentlichkeitsarbeit übernehmen. Zusätzlich wird das Projekt von einem erweiterten Unterstützer*innenkreis von etwa 50 Personen getragen. Eine enge Zusammenarbeit besteht zudem mit Kleingärtner*innen sowie mit zivilgesellschaftlichen Initiativen, Fachinstitutionen und wissenschaftlichen Expert*innen. 

Herzlichen Glückwunsch an die beiden Gewinner des Klimapreises!

Bildquelle: Bundesstadt Bonn / Sascha Engst